Ich gebe es auf
Guten Tag,
Manchmal muss man sich einfach eingestehen, wenn man einen Kampf verloren hat. Und genau deshalb kann ich heute verkünden: Ich gebe es auf.
Wirklich. Ich habe tagelang geknurrt, gefaucht, böse geschaut und versucht, diesem kleinen Loki klarzumachen, dass man einer Dame meines Standes nicht einfach so auf die Pelle rückt. Das Ergebnis? Ich bin inzwischen fast heiser vom vielen Knurren und der Kleine versteht entweder nichts oder stellt sich absichtlich dumm.
Also habe ich beschlossen, meine Energie sinnvoller einzusetzen.
Mittlerweile toleriere ich ihn. Mehr oder weniger. Manchmal schnüffele ich sogar schon an ihm. Natürlich nur zur Kontrolle und nicht, weil ich ihn interessant finde. Das wäre schließlich etwas ganz anderes.
Überrascht bin ich allerdings von Micky. Der ist erstaunlich tolerant. Loki hat nämlich die Angewohnheit, bevorzugt genau die Plätze zu belegen, auf denen Micky normalerweise liegt. Und Micky lässt ihn oft einfach machen. Ich verstehe das nicht. Wobei ich zugeben muss, dass Micky da vermutlich entspannter ist als ich.
Außerdem hat Loki einen merkwürdigen Geschmack. Wenn er schon Plätze klauen muss, warum dann ausgerechnet Mickys? Dabei rieche ich doch eindeutig besser.
In den letzten Tagen habe ich mich lieber auf wichtigere Dinge konzentriert. Zum Beispiel auf die Suche nach neuen Verstecken. Und ich muss sagen: Ich habe ein paar absolute Meisterwerke gefunden. Ecken und Winkel, die bisher offenbar niemand entdeckt hatte. Dort kann man wunderbar seine Ruhe haben, schlafen und den ganzen Trubel ignorieren.
Zumindest dachte ich das.
Denn Papa scheint ein eingebautes Ortungssystem für Katzen zu besitzen. Kaum hatte ich mich irgendwo gemütlich eingerichtet, lief er durch die Wohnung und suchte mich. Unter Schränken, hinter Vorhängen, neben Kartons. Irgendwann stand er dann natürlich genau vor meinem Versteck.
Keine Ahnung, wie er das immer macht.
Der Balkon macht momentan leider auch nicht so viel Spaß wie sonst. Normalerweise liege ich dort gerne in der Sonne und genieße die Wärme auf meinem Fell. Aber in letzter Zeit lässt sich die Sonne viel zu selten blicken. Statt gemütlichem Sonnenbaden gibt es meist nur grauen Himmel. Das kann ich nicht empfehlen.
Außerdem hatten wir Besuch. Papas Papa und Opa waren da. Als es an der Tür klingelte, habe ich erstmal das gemacht, was jede vernünftige Katze macht: Ich habe mich versteckt.
Man muss schließlich nicht sofort zu jedem Besucher rennen.
Während die Menschen geredet haben, blieb ich in sicherer Entfernung und beobachtete die Lage. Man weiß ja nie. Nach einer ganzen Weile wurde ich dann aber doch neugierig. Also habe ich mich vorsichtig aus meinem Versteck gewagt. Ganz langsam. Ganz unauffällig.
Ich habe mir alles angeschaut, die Gäste begutachtet und mich ein wenig präsentiert. Schließlich soll niemand denken, dass ich unhöflich bin.
Allerdings vorzugsweise in der Nähe von Mama.
Dort ist es sicher. Dort kenne ich mich aus. Und wenn mir irgendetwas nicht gefällt, kann ich mich jederzeit zurückziehen.
Die Besucher durften mich also ansehen, aber bitte mit angemessenem Abstand. Man muss ja nicht gleich übertreiben.
Und während alle wieder einmal von Loki begeistert waren, habe ich ganz elegant bewiesen, dass man Aufmerksamkeit nicht laut einfordern muss.
Manchmal reicht es völlig aus, einfach da zu sein.
Zumindest wenn man so hübsch ist wie ich.
Ich muss los. Tschau
