🐾 Pfotengang

Dieser Loki hat wirklich Nerven ! 🐾

Minnie · 09.06.2026 um 10:08

Liebe Leser,

ich habe lange überlegt, ob ich diesen Eintrag schreiben soll.

Aber irgendwann muss die Wahrheit ans Licht.

Der kleine Loki nervt.

Ja, ich weiß. Alle finden ihn süß. Frauchen findet ihn süß. Herrchen findet ihn süß. Sogar Micky scheint neugierig auf ihn zu sein.

Aber niemand fragt mal mich.

Schließlich bin ich diejenige, die hier seit Jahren wohnt. Ich kenne jede Ecke der Wohnung, jeden Schlafplatz und vor allem jede Regel. Und dann kommt da plötzlich dieser kleine Kater daher und benimmt sich, als würde ihm die ganze Wohnung gehören.

Anfangs war das ja noch ganz in Ordnung. Er war in seinem eigenen Bereich, ich konnte ihn aus sicherer Entfernung beobachten und mich langsam an den Gedanken gewöhnen, dass hier bald noch eine Katze herumläuft.

Aber mittlerweile?
Mittlerweile ist er überall. Wirklich überall.

Und ständig versucht er, näher an mich heranzukommen. Er sitzt da und schaut mich an. Dann kommt er ein Stück näher. Dann noch ein Stück. Dann denkt er offenbar: "Ach, die Minnie sieht freundlich aus."

Und genau in diesem Moment muss ich ihm erklären, dass ich das anders sehe. Also wird geknurrt. Nicht böse. Nur deutlich. Eine freundliche Erinnerung daran, dass mein persönlicher Sicherheitsabstand bitte eingehalten werden soll. Leider scheint Loki diese Hinweise entweder nicht zu verstehen oder einfach zu ignorieren.

Der Kleine besitzt nämlich eine Eigenschaft, die ich gleichermaßen bewundere und furchtbar finde:

Er gibt einfach nicht auf. Egal wie oft ich ihn anknurre, ein paar Minuten später sitzt er wieder irgendwo in meiner Nähe und schaut mich an, als wären wir beste Freunde. Ich verstehe das nicht. Dabei wäre etwas Respekt vor der älteren Dame des Hauses durchaus angebracht. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, hat er inzwischen auch noch angefangen, bei Frauchen im Bett zu schlafen.

Bei.
Frauchen.
Im.
Bett.

Das muss man sich mal vorstellen.

Da komme ich abends ins Schlafzimmer und sehe diesen kleinen Flauschball völlig selbstverständlich auf einem Platz liegen, der eindeutig zu meinem erweiterten Besitz gehört.

Natürlich habe ich Frauchen darauf hingewiesen. Mehrfach.

Durch bedeutungsvolle Blicke.
Durch demonstratives Hinsetzen.
Durch genervtes Weggehen.

Aber irgendwie hat sie die Botschaft nicht verstanden.

Menschen sind manchmal erstaunlich schwer von Begriff. Herrchen hat übrigens inzwischen kapituliert. Anfangs hat er wirklich versucht, Loki von uns fernzuhalten. Türen wurden geschlossen, Wege blockiert und der Kleine wurde regelmäßig zurückgebracht. Doch Loki sieht das offenbar als Sport. Gestern hat Herrchen endgültig aufgegeben. Ich habe es in seinem Gesicht gesehen.

Diesen Blick von jemandem, der erkannt hat, dass er gegen ein entschlossenes Katzenkind keine Chance hat. Heute Morgen war das besonders deutlich. Herrchen dachte offenbar, alles wäre unter Kontrolle. Loki dachte offenbar etwas anderes. Irgendwie hat der Kleine wieder einen Weg gefunden und saß plötzlich dort, wo er gar nicht sein sollte. Herrchen stand da und schaute ihn an. Loki schaute zurück. Und ich glaube, in diesem Moment hat Herrchen verstanden, dass er diesen Kampf niemals gewinnen wird.

Währenddessen hatte ich übrigens ganz andere Prioritäten. Ich lag bei Frauchen im Bett und habe sie zuverlässig vom Schlafen abgehalten. Jemand muss schließlich kontrollieren, ob die Menschen noch funktionieren. Man kann sich heutzutage auf niemanden mehr verlassen.
Und dann gibt es da noch das Thema Futter. Ein Thema, das mir persönlich sehr wichtig ist. Wie jeder weiß, bin ich eine Genießerin. Ich esse gerne.

Ich trinke gerne.
Manchmal vielleicht etwas zu gerne. Aber darum geht es hier nicht. Es geht um Loki. Der kleine Kater besitzt einen eigenen Napf.

Mit eigenem Futter.
Extra für ihn.
Alles vorhanden.

Und was macht er?
Er geht an unsere Näpfe.
Unsere!

Ich habe ihn mehrfach dabei beobachtet. Da steht sein Futter nur wenige Schritte entfernt und trotzdem muss er unbedingt nachsehen, was bei uns drin ist. Als würde mein Futter plötzlich besser schmecken. Natürlich schmeckt mein Futter besser. Es ist schließlich mein Futter. Aber das ist nicht der Punkt! Man hat Regeln einzuhalten. Ich werde die Situation jedenfalls weiterhin genau beobachten.

Noch halte ich ihn auf Abstand.
Noch knurre ich, wenn er zu nah kommt.

Noch bin ich nicht überzeugt, dass dieser kleine Wirbelwind hierher gehört. Aber manchmal, ganz manchmal, erwische ich mich dabei, wie ich ihn neugierig anschaue.

Nur kurz.
Ganz kurz.

Dann erinnert er mich wieder daran, warum ich genervt bin, und rennt irgendwo gegen, springt auf etwas drauf oder versucht erneut, mein Futter zu klauen.

Ich fürchte, wir müssen bald einmal ein ernstes Gespräch führen.

Von Katze zu Katze.
Ohne Menschen.
Ohne Frauchen.
Ohne Herrchen.
Nur er und ich.

Und dann erkläre ich ihm ganz in Ruhe die Hausordnung.
Ob er zuhört, ist allerdings eine ganz andere Frage.