Besetzung. Anders kann man es nicht nennen
Er ist jetzt da.
Dieser Loki.
Und ich sage euch ganz ehrlich: Ich bin nicht begeistert.
Früher war alles einfach. Herrchen, Frauchen, Minnie und ich. Eine funktionierende WG mit klaren Regeln und einer klaren Hierarchie.
Jetzt?
Dürfen Minnie und ich nicht mal mehr in unseren Raum, wenn Mama und Papa dort sitzen.
Warum?
Weil da dieser Loki rumturnt.
Überall. Der klettert, rennt, springt und macht Dinge, die kleine Kater offenbar so machen und dann kommt er mir auch noch zu nah. Da muss ich natürlich schimpfen. Ich bin schließlich der Boss.
Also wird gefaucht.
Die Pfote musste ich auch schon heben. Nicht doll. Nur zur Erinnerung, wer hier die Hausordnung macht.
Der Kleine darf überhaupt nur hier sein, weil Papa ihn mag. Das ist meine aktuelle Theorie.
Trotzdem bin ich auf Mama beleidigt. Sie hat ihn schließlich angeschleppt. Damit die Menschen endlich verstehen, dass ich mit dieser Situation nicht einverstanden bin, habe ich beschlossen, nicht mehr zu schnurren.
Also fast nicht mehr. Manchmal passiert es aus Versehen.
Oder ganz leise.
Oder wenn ich gestreichelt werde.
Oder wenn ich auf Papas Schoß liege.
Aber das zählt nicht.
Jedenfalls versuche ich es.
Auch schlafe ich jetzt extra nicht mehr bei Papa im Bett. Wäre ja noch schöner. Man muss schließlich Haltung zeigen. Dumm ist Loki allerdings nicht. Das muss ich leider zugeben. Der weiß schon genau, wie er sich bei den Menschen beliebt macht.
Kaum geht eine Tür auf, ist er da.
Kaum setzt sich jemand hin, ist er da.
Kaum gibt es Aufmerksamkeit, ist er sowieso da.
Minnie ist übrigens ebenfalls genervt.
Zumindest sagt sie das.
Wir sind uns da einig.
Das Verrückte ist nur: Ich bin trotzdem neugierig.
Immer wieder gehe ich näher ran.
Ich schaue.
Ich schnuppere.
Ich beobachte.
Und dann übertreibt der Kleine wieder völlig.
Plötzlich berühren sich unsere Nasen.
HALLOOOO?
Ein bisschen Abstand wäre doch angemessen. Man muss sich doch nicht direkt ins Gesicht kriechen. Deshalb schlafe ich momentan auch sehr viel. Dieser ganze Stress ist anstrengend.
Sogar der Balkon ist aktuell öfter zu als sonst. "Zu seiner Sicherheit", sagt Mama. Pfff. Früher konnte man einfach raus und die Sonne genießen. Jetzt muss immer auf den Kleinen aufgepasst werden.
Ehrlich gesagt hoffe ich ja immer noch, dass er nur ein Gast ist.
Vielleicht wird er ja irgendwann wieder abgeholt. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Bis dahin werde ich die Situation weiter beobachten.
Schließlich muss irgendjemand hier die Kontrolle behalten.
Euer genervter,
Micky
Chef der WG
